Aus Alt mach Neu: KSP Engel beschäftigt sich seit langem mit der Sanierung von Hochhäusern.

Das Zürich-Hochhaus am Frankfurter Opernplatz: abgerissen. Das Nationalhaus am Mainufer: vorbildlich saniert. Das Selmi-Hochhaus am Platz der Republik: mit einer neuen Fassade versehen, die der ursprünglichen ähnelt. Der SGZ-Turm an der Alten Oper: entkernt und äußerlich völlig neu gestaltet.

Diese vier Beispiele von Verlust, Bewahrung und unterschiedlich starker Verwandlung zeigen, wie sehr das Schicksal von Hochhäusern, die in die Jahre gekommen sind, variiert. Das gilt nicht nur für Frankfurt, aber in Deutschlands einziger Hochhausstadt ist das Problem besonders virulent. Praktisch jeder Büroturm ist nach spätestens 40 Jahren reif für eine Generalsanierung.

Das Büro KSP Engel hat sich schon früh mit der Sanierung von Bestandsbauten beschäftigt. Über die Jahre ist eine Art Musterbuch entstanden: Alle Abstufungen der Transformation von originalgetreuer Wiederherstellung über behutsame Modifikation bis hin zu völliger Verwandlung lassen sich mit Arbeiten des Büros illustrieren. Die Bandbreite zeigt zugleich, dass es keine Standardlösungen für Sanierungen gibt. Wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann diese (mit einer Ausnahme, dazu später mehr): Der Bestand wird zunächst bis auf den Rohbau entkernt. Das zeigt, wie groß die Herausforderung für die Architekten gerade bei diesem jüngeren Bautypus ist, während historische Gebäude aus früheren Jahrhunderten in ihrer Originalsubstanz selten so stark angegriffen werden.

Autor: Matthias Alexander,
Redakteur Feuilleton,
Frankfurter Allgemeine Zeitung

“Das Bienenkorbhaus an der Konstablerwache steht für eine besonders behutsame Herangehensweise.”

Nach einem Entwurf von Johannes Krahn 1954 entstanden, ist das Bienenkorbhaus einer der ältesten Büro- und Wohntürme Frankfurts.

Klassifiziert man die Sanierungsobjekte des Büros nach dem Grad ihrer Verwandlung, so steht das Bienenkorbhaus an der Konstablerwache für eine besonders behutsame Herangehensweise. 1954 nach einem Entwurf von Johannes Krahn entstanden, ist es einer der ältesten Büro- und Wohntürme der Stadt. Der Name leitet sich von einem großen, sich drehenden Bienenkorbzeichen auf dem Dach ab, dem Signet der Frankfurter Sparkasse von 1822, das inzwischen durch ein großes Sparkassen-S ersetzt worden ist. Der Krahn-Bau ist mithin eines der wenigen Gebäude in Frankfurt, denen der Volksmund einen Spitznamen gegeben hat. Das ist immer ein Zeichen für eine gewisse Beliebtheit. Auch das sprach für ein vorsichtiges Vorgehen.

Krahn hatte ein Gebäude mit zwei Baukörpern entworfen, dem eigentlichen Hochhaus mit Lochfassade und einem zweieinhalbgeschossigen Nebengebäude an der Zeil mit Glasfassade. Letzteres schob sich leicht abgestuft unter das Hochhaus und bildete dadurch dessen Sockel auf der Schauseite zur Konstablerwache. Das Haus wurde nach einem Brand im Jahr 1984 ein erstes Mal saniert. Den Sockelbau hat man damals mit Aluminiumelementen verkleidet, wodurch er seine Leichtigkeit verlor.

Im Zuge der zweiten Sanierung von 2007/09 hat sich das Team von Jürgen Engel zu einer Doppelstrategie entschlossen: Das Hochhaus wurde äußerlich unverändert gelassen und lediglich gereinigt. Das erleichterte es, die Bauarbeiten im laufenden Betrieb durchzuführen, was die Kosten niedrig hielt. Das Sockelgebäude dagegen wurde abgerissen und durch einen Neubau mit dunkel getönter Glasfassade ersetzt. Nach Westen hin ragt er sechsgeschossig auf und fügt sich der Traufhöhe nach in die Häuserreihe an der Zeil ein. Nach Osten schiebt er sich wie bisher unter das Hochhaus, doch die Arkade an der Einkaufsstraße ist nun zwei- statt bisher eingeschossig ausgelegt.

Die Eigenständigkeit des Sockels unter dem Hochhaus wird nach dem Umbau noch stärker betont, als es ursprünglich der Fall gewesen war. Darüber erhebt sich umso markanter die helle Muschelkalkfassade des eigentlichen Hochhauses.

Der nach Farbe und Material beinahe zu starke Kontrast zwischen beiden Gebäudekörpern legte die Frage nah, ob eines Tages auch der Turm selbst mit einer gläsernen Fassade versehen werden könnte. Solche Spekulationen haben sich erübrigt, denn im Jahr 2014 wurde das Bienenkorbhaus unter Denkmalschutz gestellt, sodass tief greifende Änderungen nicht mehr möglich sind.

“Auch in der Hansestadt waren die Architekten von KSP Engel darum bemüht, den Geist des Originals so weit wie möglich zu wahren.”

Der Hauptsitz der Reederei Hamburg Süd wurde um ein Geschoss aufgestockt und erhielt eine neue Fassade.

Strukturell weist das Bienenkorbhaus eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Verwaltungsgebäude der Reederei Hamburg Süd auf; offenkundig haben beide Architekten – Krahn in Frankfurt, Cäsar Pinnau noch deutlicher und auch eleganter wenige Jahre später in Hamburg – Anleihen beim Lever House in New York genommen. Auch in Hamburg, wo Glas das vorherrschende Fassadenmaterial des Turms ist, schiebt sich unter das eigentliche Hochhaus ein zweigeschossiger Flachbau. Den Abschluss des Ensembles mit einheitlicher Fassade bildet ein sechsgeschossiger Nebenbau.

Auch in der Hansestadt waren die Architekten von KSP Engel darum bemüht, den Geist des Originals so weit wie möglich zu wahren, schon der Denkmalschutz forderte es so. Im Hauptsitz der Hamburg Süd wurde die Fassade aus energetischen Gründen komplett ausgetauscht, was für den Laien aber nicht zu erkennen ist. Auch die Aufstockung des Hochhauses um ein Geschoss fällt im Vorher-nachher-Vergleich kaum auf. Man kann sogar sagen, dass die vertikale Streckung des Hochhauses seiner Wirkung gutgetan hat und damit sicher ganz im Sinne seines Schöpfers ausgefallen ist.

“Dadurch, dass der Anbau des Degussa-Hochhauses eine zweigeschossige Arkade erhielt, wurde aus der abweisenden Wirkung plötzlich eine einladende Geste an die Passanten.”

In die Kategorie „Transformation durch Nachschöpfung“ fällt das frühere Degussa-Hochhaus in Frankfurt an der Ecke von Neuer Mainzer Straße und Weißfrauenstraße, das inzwischen MainTor Primus heißt. Die Veränderungen in der äußeren Gestalt sind gravierender als im Fall von Bienenkorbhaus und Hamburg Süd, doch die Grundidee des Bestandsgebäudes von 1952, eines unspektakulären Entwurfs von Eduard Ziegler an städtebaulich exponierter Stelle, wurde erhalten. Die Kubatur mit ihrem zickzackförmigen Grundriss haben die Architekten von KSP Engel weitgehend unverändert gelassen. Auch die sonstigen Änderungen sind subtil. Die horizontal ausgerichtete Werksteinfassade, die um 1990 schon einmal umgestaltet worden war, wurde durch eine Natursteinfassade mit bodentiefen Fenstern ersetzt, was die vertikale Wirkung des Turms verstärkt. Das Mezzaningeschoss ist etwas zurückhaltender ausgeprägt als zuvor. Das Treppenhaus wurde auf die Blockinnenseite verlegt, sodass in der gläsernen, leicht vorspringenden Gebäudeecke an der Südwestseite Konferenzräume mit attraktivem Blick auf den Willy-Brandt-Platz entstehen konnten.

Der Bestand wurde durch einen sechsgeschossigen Neubau an der Weißfrauenstraße in gleichen Proportionen ersetzt. Welche Wirkungen auf den Stadtraum kleine architektonische Korrekturen haben können, zeigt sich im Fall dieses sechsgeschossigen Anbaus, der nicht in der Flucht des Hochhauses steht, sondern scharfkantig in den Straßenraum hineinragt. Dadurch, dass er eine zweigeschossige Arkade erhielt, wurde aus der abweisenden Wirkung plötzlich eine einladende Geste an die Passanten.

Die Veränderungen in der äußeren Gestalt des MainTor Primus sind gravierender.

Taunusanlage 11 - “Die Kernidee des Entwurfs im Geist der amerikanischen Hochhaus-Moderne ist gewahrt worden.”

Bei der Taunusanlage 11 handelt es sich um eines der ersten Frankfurter Hochhäuser, die zum zweiten Mal eine Kernsanierung erfuhren.

„Kontinuität im Wandel“ scheint das passende Motto für den Umgang von KSP Engel mit der Taunusanlage 11. Prominent gelegen an der Ecke von Mainzer Landstraße und Taunusanlage, handelt es sich um eines der ersten Frankfurter Hochhäuser, die zum zweiten Mal eine Kernsanierung erfuhren. Der trotz seiner vergleichsweise geringen Höhe von 75 Metern im Stadtbild sehr präsente Turm, im Internationalen Stil von Max Meid und Helmut Romeick entworfen und 1972 fertiggestellt, ist schon Mitte der 1990er-Jahre vom Architekturbüro von Jürgen Engel behutsam saniert worden.

Die Eingriffe bei der zweiten Sanierung, die 2014 abgeschlossen wurde, waren dagegen enorm: Die Fassade wurde abermals komplett ausgetauscht, diesmal wurde jedoch die Zahl der Achsen von 15 auf 18 erhöht und statt der bisherigen Bandfassade wurde eine Elementfassade mit bodentiefen Kastenfenstern errichtet. Die Technikzentrale, die als schwerer schwarzer Deckel auf dem Gebäudekörper ruhte, erfuhr eine Umgestaltung zu einem Panorama-Geschoss mit großen Fenstern. Und doch hat sich die Anmutung gegenüber dem Vorgänger bemerkenswert wenig geändert, was auch mit der dezenten Farbgebung in Anthrazit zusammenhängt. Die Kernidee des Entwurfs im Geist der amerikanischen Hochhaus-Moderne ist gewahrt worden.

“Im Fall des Garden Towers muss man beinahe von einer Neuerfindung sprechen.”

Funktional wie ästhetisch weit stärker waren die Eingriffe im Fall des alten Helaba-Hochhauses von Novotny + Mähner an der Neuen Mainzer Straße, das nach einem Entwurf der Wettbewerbsabteilung von KSP Engel zum Garden Tower umgebaut wurde. In diesem Fall muss man beinahe von einer Neuerfindung sprechen. Der Doppelturm mit dem ungewöhnlichen polygonalen Grundriss war eines der prägenden Hochhäuser im Bankenviertel. Mitte der 1970er-Jahre vollzog es den Abschied von den „Kisten“ im Internationalen Stil, entsprach 30 Jahre später aber nicht mehr den technischen und funktionalen Anforderungen. Die beiden Technikgeschosse, die den Turm wie eine Bauchbinde gliederten, konnten durch Bürogeschosse ersetzt werden, weil sich die Haustechnik inzwischen dezentral unterbringen ließ. Es wurden Wintergärten eingeschnitten, um die nicht mehr zeitgemäße Tiefe des Grundrisses zu verringern.

Auch die Fassade wurde völlig neu gestaltet. Die für die Entstehungszeit typische dunkle Verglasung in bräunlichem Ton wurde durch transparenteres Glas mit hellen Profilen ersetzt, das gut mit dem benachbarten Rundbau des Maintower harmoniert. Die ausgestellten Erschließungskerne erhielten eine Lamellenfassade, die je nach Lichteinfall changiert. Entstanden ist ein gleichsam freundlicher Turm, der auf sich aufmerksam zu machen versteht, was angesichts der im wahrsten Sinne des Wortes gewachsenen Konkurrenz im Bankenviertel auch notwendig ist.

Der Doppelturm mit dem heutigen Namen Garden Tower nimmt einen prominenten Platz im Frankfurter Bankenviertel ein. 30 Jahre nach seinem Bau erfüllte er aber weder die technischen noch die funktionalen Anforderungen eines modernen Bürohochhauses.

160 Park View - “Das ästhetische Potenzial der Grundfigur wurde erst jetzt gehoben.”

Nicht nur von außen neu: 160 Park View im Frankfurter Westend wird künftig auch auf völlig neue Weise genutzt.

Ein komplett neues Aussehen bekommt das 160 Park View. Es wird so ziemlich die tiefstgreifende Verwandlung eines Gebäudes sein, die denkbar ist. Das Doppelhochhaus gegenüber dem IG-Farben-Haus wird künftig nicht nur auf ganz andere Weise genutzt als zuvor, auch die Fassade wird völlig neu gestaltet.

Es ist schon die zweite radikale Umgestaltung für den 96-Meter-Turm: Ursprünglich war das Hochhaus, dessen Bauherr sich über städtische Vorgaben hinweggesetzt hatte, im Stil des Betonbrutalismus errichtet worden. Es stand somit für alles, was in den 1970er-Jahren zu den Straßenschlachten im Westend geführt hatte. Wie zur Strafe stand es lange leer, bis es 1985 eine neue, blau schimmernde Spiegelglasfassade verpasst bekam. Ein Fremdkörper im Westend blieb der Turm gleichwohl.

Das ästhetische Potenzial der Grundfigur wurde erst jetzt gehoben. Dass es sich um einen Doppelturm handelt, wurde durch die bisherige Spiegelfassade beinahe unkenntlich gemacht. Künftig wird sich das Hochhaus am Park gewissermaßen als zweieiiger Zwillingsturm präsentieren: Der höhere Wohnturm erhält eine helle Fassade mit hohem Glasanteil und ausgeprägter Rhythmisierung, während der niedrigere Hotelturm mit einer dunklen, regelmäßig gestalteten Fassade versehen wird. Das neu gestaltete Duo im Westend, das zugleich markanter und offener daherkommt als der Vorgänger, setzt auch der Nutzung nach ein Zeichen an die Nachbarschaft, dazugehören zu wollen. Darin könnte es als Vorbild für den Umgang mit anderen Bürogebäuden dienen, deren Eigentümer den Anschluss an die Zukunft suchen.

Die aufgeführten Beispiele zeigen, wie viele Kriterien Bauherren und Architekten im Umgang mit sanierungsbedürftigen Bestandsgebäuden zu berücksichtigen haben: Der Zustand der Bausubstanz spielt eine wesentliche Rolle, außerdem die Anpassungsfähigkeit an heutige Nutzungsanforderungen und nicht zuletzt die baurechtliche Situation. Für manche Hochhäuser besteht zudem kein gültiges Baurecht; würden sie abgerissen, dürfte an ihrer Stelle kein neuer Turm entstehen. Sanierung oder Umbau sind dann die einzige wirtschaftlich vertretbare Option für den Eigentümer, selbst wenn gravierende Kompromisse etwa bei der Gestaltung der Grundrisse nötig sind.

Auch der Denkmalschutz ist in manchen Fällen relevant, ebenso die Popularität von Gebäuden in der Bevölkerung, die sogar wirksamer sein kann als die offizielle Unter-Schutz-Stellung. Allerdings zeigt das Beispiel des Zürich-Hauses – ein Symbol für den Wiederaufstieg Frankfurts in der Nachkriegszeit –, dass Beliebtheit keine absolute Sicherheit bedeutet. Das gilt in Frankfurt, wo sich die Bürger an den raschen Wechsel von Abriss und Neubau gewöhnt haben, noch mehr als in den meisten anderen deutschen Großstädten. Die Zahl der Bauten, die in der Stadt als unantastbar gelten, ist sehr begrenzt. Umso wichtiger und erfreulicher ist es, wenn Architekten Lösungen finden, das Alte für die Gegenwart und die Zukunft zu bewahren.

Für eine bessere Lesbarkeit verwenden wir bei Personenbezeichnungen die männliche Form. Die verkürzte Sprachform meint alle Geschlechter.

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Sebastian Schöll
Geschäftsführer, Partner

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