Dokumentationszentrum Bergen-Belsen, Loheide

Wie gestalten wir ein Museum am Ort eines grausamen Geschehens?

Das Dokumentationszentrum liegt inmitten des Heidewaldes am Rande des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Hier starb im März 1945, wenige Tage vor der Befreiung des Lagers, Anne Frank. Etwa 50.000 Menschen kamen in Bergen-Belsen ums Leben. Das Gebäude folgt dem ursprünglichen Verlauf der alten Landstraße von Celle nach Hörste und wird so zu einem dreidimensionalen Teil des historischen Weges.

Kiefern und Birken umgeben das vollständig aus Beton errichtete Gebäude, das sich 200 Meter lang in den Wald erstreckt. Doch dieser scheinbar friedliche Ort hat eine grausame Vorgeschichte. Wie vermitteln wir dies den Besucher*innen? Wie werden wir diesem Ort und seiner Geschichte gerecht? In enger Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte fanden wir die Lösung:
Der erste, „steinerne“ Weg schafft eine räumliche Annäherung. Vom Vorplatz aus gelangen die Besucher*innen in eine Schlucht aus engen Betonwänden. Ohne Fenster oder Überdachung geben die Wände nur den Blick zum Himmel frei. Eine beengende Situation. Der Pfad endet auf dem ehemaligen Lagergelände und sensibilisiert die Besucher*innen für die bedrückende Geschichte des Ortes. Der zweite Weg wirkt auf einer inhaltlichen Ebene, denn er führt direkt in die Ausstellungsräume. Dort ist die Geschichte vom Kriegsgefangenenlager bis zum Konzentrationslager dokumentiert.

Durch die Materialwahl schaffen wir eine karge Innenwelt und stellen die Exponate der Ausstellung ins Zentrum. Das bewirkt eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte. Eine große Fensterfront markiert das Ende des Weges und gibt den Blick auf das Lagergelände frei, das zu einem Teil der Ausstellung wird. Aus Respekt vor diesem Ort berührt der Kopf des Gebäudes hier nicht den Boden, sondern steht über die ehemalige Lagergrenze hinaus.

Wir bringen die Besucher mit der Geschichte in Berührung.

Projekt: Dokumentationszentrum Bergen-Belsen

Auftraggeber: Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten

BGF: 4.900 m²

Wettbewerb: 02/2003, 1. Preis

Fertigstellung: 10/2007

Auszeichnungen: BDA Preis Niedersachsen 2009 Niedersächsischer Staatspreis für Architektur 2008 Museumspreis Niedersachsen 2009

Fotograf: Klemens Ortmeyer, Stephan Falk

„Die rohe, aber feinfühlige Architektur gibt der Aufgabe der Dokumentation und Erforschung der Verbrechen des Nationalsozialismus einen würdevollen Ausdruck.“

Juryprotokoll „Staatspreis Architektur“

Wir beschränken uns äußerlich auf das monochrome Material Beton und heben das Dokumentationszentrum damit deutlich von seiner Umgebung ab. Im Inneren hilft die Nüchternheit der Räume den Besucher*innen, die Inhalte der Dokumente auf sich wirken zu lassen. So wird unsere Architektur diesem außergewöhnlichen Ort auf einfühlsame Weise gerecht.

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